Der Spot-Preis – Chance oder Risiko für Ihr Unternehmen?

Stromeinkauf und Energiepreise Teil 2

Mit unserer fünfteiligen Serie zum Thema Energiepreise und Stromeinkauf für Unternehmen möchten wir Ihnen fundiertes Wissen an die Hand geben, damit Sie verstehen, wie Sie Ihren Strompreis optimieren können. In unserem zweiten Teil werfen wir einen detaillierten Blick auf dynamische Spot-Preis Verträge.

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Heiko Teiken

Im ersten Teil unser Blog-Reihe haben wir gelernt: Der Spotmarkt ist das „Hier und Jetzt“ der Energiewelt. Doch wie landet dieser dynamische Preis eigentlich in Ihrem Unternehmen? Und ist das Risiko die Chance wirklich wert?

Für energieintensive kleine und mittelständische Unternehmen ist diese Frage zentral. Denn der Einkaufspreis für Strom entscheidet zunehmend über Wettbewerbsfähigkeit

Das Prinzip „Durchreichen“: So funktioniert ein Spot-Vertrag

Die meisten Unternehmen kaufen ihren Strom nicht direkt an der Börse EPEX SPOT, sondern über einen Energielieferanten. Bei spotbasierten Verträgen spielt der Versorger allerdings eine andere Rolle als bei klassischen Fixpreis Verträgen. Der Versorger agiert nicht als klassischer Händler der Preise festlegt, sondern wird eher zum Logistiker und Abrechner.

Der typische Ablauf:

  • Die Beschaffung: Der Versorger beschafft Ihnen exakt die Menge, die Sie stündlich verbrauchen, am Day-Ahead-Markt.

  • Die Abrechnung: Sie zahlen den tatsächlichen Börsenpreis jeder Stunde plus eine vorher vereinbarte Dienstleistungspauschale (Fee) pro Verbrauchter Megawattstunde (MWh).

  • Der Vorteil: Maximale Transparenz! Sie wissen genau, was Sie der Energieeinkauf kostet und was Ihr Versorger daran verdient.

Die Korrelation: Ihr Lastprofil entscheidet über Ihren Preis

Viele kleine und mittelständische Unternehmen machen einen Denkfehler, der sie viel Geld kosten kann. Sie agieren unter der Annahme, dass bei einem Durchschnittspreis an der Börse von beispielsweise 90 €/MWh sie auch 90 € zu zahlen haben. Das ist falsch. Tatsächlich zahlen Sie Ihren individuellen Durchschnitt.

Dazu ein Beispiel: Nehmen wir an, Sie produzieren vor allem morgens zwischen 8:00 und 10:00 Uhr, wenn die Nachfrage, und damit der Energiepreis, hoch sind. Dann liegt Ihr effektiver, also individueller Durchschnittspreis über dem Börsenschnitt.

Können Sie Lasten hingegen günstigere Zeitfenster verschieben - etwa in die Mittagsstunden im Sommer (erhöhtes Angebot durch Photovoltaik) oder in die Nacht? Herzlichen Glückwunsch, Ihr individueller Durchschnittspreis schlägt den Markt!

Einen großen Vorteil gewinnen Sie als Unternehmen also vor allem dann, wenn Sie Last verschieben können, um die optimalen Preisfenster zu nutzen. Das heißt, wenn Sie entweder

  1. 1.

    Verbraucher haben, die flexibel ein- und ausgeschaltet werden können, oder wenn Sie

  2. 2.

    über eigene Speicher in günstigen Zeiten mehr Last ziehen können, um diese zu späteren (teuren) Zeitpunkten zu nutzen

Zwei konkrete Beispiele

Wir haben Lastkurven von zwei unserer Kunden herausgesucht, die sehr gut diesen Unterschied verdeutlichen können. Unser erster Kunde hat einen relativ normalen Strombedarf, und zusätzlich eine Solaranlage. Diese reduziert den Netto-Bedarf in der Mittagszeit, was zu einer zusätzlich erhöhten Korrelation mit dem Preis führt.

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Mit diesem Verbrauchsmuster hat unser Kunde einen vergleichsweise hohen effektiven Preis für eine Beschaffung am Spot-Markt. Obwohl die Solaranlage also den Gesamtverbrauch und damit auch die Kosten reduziert, steigt der effektive Preis häufig an.

Der effektive Preis in diesem Beispiel für das Jahr 2025 beträgt damit 10.7 cent pro kWh.

Unser zweiter Beispielkunde optimiert pro-aktiv seinen Energiebedarf mit Hilfe eines Batteriespeichers. Teilweise wird dabei sogar die Batterie in Zeiten niedriger Preise aus dem Netz geladen, um dann bei hohem Preis möglichst viel Bedarf aus der Batterie zu decken.

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Der effektive Preis dafür beträgt für das Jahr 2025 damit 7.8 cent pro kWh.

Damit liegt zwischen diesen beiden Verbrauchsmustern ein Preisunterschied von 30% bis 40% bei einer Beschaffung am Spotmarkt.

Chancen vs. Risiken: Der ehrliche Vergleich

Planungssicherheit

  • Fixpreis: Hoch - fester Budgetwert

  • Spot: Gering - monatliche Schwankungen

Risikoprämie:

  • Fixpreis: Hoch - im Preis enthalten

  • Spot: Gering - Sie tragen das Marktpreisrisiko selbst

Transparenz:

  • Fixpreis: Gering - Marge ist versteckt

  • Spot: Hoch - Marge ist als Aufschlag auf den Börsenpreis fixiert

Marktchancen:

  • Fixpreis: Keine - Preissenkungen nützen nichts

  • Spot: Hoch - sofortiger Profit bei sinkenden Preisen

Oder anders gesagt: Beim Fixpreis bezahlen Sie Sicherheit – beim Spotpreis nutzen Sie Marktbewegung.

Achtung vor dem Kleingedruckten!

Wenn Sie ein Spot-Angebot prüfen, schauen Sie auf keinen Fall nur auf die Grundgebühr. Achten Sie insbesondere auch auf diese drei Punkte:

  1. 1.

    Abwicklungsfee & Aufschläge: Welche Gebühren werden auf den Börsenpreis aufgeschlagen? Wird die Gebühr pro Zählpunkt oder pro MWh berechnet? Achten Sie auf versteckte "Strukturierungskosten"!

  2. 2.

    Prognoserisiko: Wer trägt die Kosten für die Ausgleichsenergie, wenn Ihr tatsächlicher Verbrauch von der Prognose abweicht? Bei echten Spot-Verträgen werden diese Kosten oft 1:1 weitergegeben – das kann bei volatilen Prozessen unangenehm teuer werden!

  3. 3.

    Kündigungsfristen: Ein großer Vorteil von Spot-Modellen ist die Flexibilität. Lassen Sie sich nicht in 24-monatige Laufzeiten zwingen, wenn Sie eigentlich die Marktdynamik nutzen wollen!

Fazit: Für wen lohnt sich das Spot-Modell?

Spot-basierter Energieeinkauf ist kein "One-Size-fits-all"-Modell. Aber er ist ein starkes Werkzeug für Unternehmen, die:

  • Risikofreudig sind - Sie tragen das Preisrisiko selbst und sparen darüber den Risikoaufschlag von Versorgern.

  • Ihren Verbrauch zumindest teilweise steuern können.

  • Über ausreichende Liquidität verfügen, um Preisspitzen im Winter abzufedern.

Für diese Unternehmen wird Energieeinkauf strategisch statt administrativ.

Sie wollen herausfinden, ob Spot-Beschaffung zu Ihrem Unternehmen passt – und wie viel Einsparpotenzial in Ihrem Lastprofil steckt?

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf! Wir analysieren Ihre Verträge und Ihren Verbrauch und zeigen Ihnen,…