Der Fixpreis - Sicherer Hafen oder teure Illusion für Unternehmen?

Stromeinkauf und Energiepreise Teil 3

Mit unserer fünfteiligen Serie zum Thema Energiepreise und Stromeinkauf für Unternehmen möchten wir Ihnen fundiertes Wissen an die Hand geben, damit Sie verstehen, wie Sie Ihren Strompreis optimieren können. In unserem dritten Teil schauen wir auf die Fix Preis Optionen für Energie.

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Heiko Teiken

Haben Sie sich schon mal mit anderen Unternehmern über ihren Strompreis unterhalten?

In Zeiten volatiler Energiemärkte klingt ein Fixpreisvertrag für Strom wie der perfekte sichere Hafen. Eine Unterschrift und schon ist die Budgetplanung für Energie abgehakt. Der Fokus liegt wieder voll auf dem eigenen Kerngeschäft.

Doch wenn man genauer hinschaut, entsteht schnell Verwirrung. Während einige Unternehmen 12 Cent pro kWh zahlen, liegen andere bei 14 oder sogar 15 Cent, obwohl alle einen Fixpreisvertrag haben. Wie kann das sein?

Die Antwort liegt in der Mechanik der Strombeschaffung, den individuellen Lastprofilen und den Risiken, die Energieversorger in ihre Preise einrechnen.

1. Die Mechanik: Wie der Versorger Ihren Fixpreis kalkuliert

Ein Versorger hat den Strom, den er Ihnen für die nächsten zwei Jahre verspricht, nicht einfach auf Lager. Er kauft ihn strategisch ein.

Der Terminmarkt für Strom dient als Grundlage. Sobald Sie ein Angebot anfragen, schaut der Versorger auf die sogenannte Forward Curve (siehe Teil 1 unserer Serie). Auf Basis dieser Preise kalkuliert der Versorger, was es ihn heute kostet, die Futures für Ihren geschätzten Bedarf in der Zukunft zu kaufen.

Dazu kommt eine Risikoprämie. Da der Versorger nicht weiß, ob Sie im zum Beispiel im April 10% mehr oder weniger verbrauchen als geplant, schlägt er eine Sicherheitsmarge auf. Er trägt für Sie das Preisrisiko (falls er nachkaufen muss, wenn es teuer ist) und das Mengenrisiko.

2. Preis-Treiber: Warum Unternehmen unterschiedliche Fixpreise zahlen

Nicht jeder Kunde erhält denselben Strompreis im Fixpreis-Vertrag.

A. Die Perspektive des Energieversorgers(Skalen- & Portfolioeffekte)

Größere Versorger haben oft strukturelle Vorteile, die sie (theoretisch) an Sie weitergeben können:

Portfolio-Effekt (Netting): Wenn ein Kunde mehr Strom verbraucht als geplant und ein anderer weniger, kann sich das intern im Portfolio ausgleichen. Dadurch muss der Versorger seltener kurzfristig Strom am Spotmarkt nachkaufen.

Einkaufsmacht am Terminmarkt: Versorger, die große Strommengen handeln, erhalten häufig bessere Handels-Spreads als kleinere Anbieter oder Stadtwerke.

B. Die Perspektive Ihres Lastprofils

Nicht jeder Strom ist gleich viel wert. Für Energieversorger ist nicht nur die Menge relevant, sondern auch wann Strom verbraucht wird.

Günstig ist ein konstantes Lastprofil (Bandlieferung). Unternehmen, die 24/7 konstant Strom verbrauchen, können für den Versorger leicht und günstig über Base-Futures abgesichert werden.

Teuer sind stark schwankende Verbräuche oder schwer prognostizierbare Profile. Wenn Ihr Hauptverbrauch in die teuren Peak-Stunden fällt oder Sie unvorhersehbare Lastspitzen haben, muss der Versorger teurere Peak-Produkte und höhere Risikopuffer einpreisen.

3. Mindestabnahme und Toleranzband: Die versteckten Hebel im Vertrag

Ein Fixpreisvertrag für Energie ist letztlich eine Dienstleistung: Der Versorger übernimmt Preisrisiken für Ihr Unternehmen. Diese Absicherung kostet Geld.

Ein zentrales Element ist das Toleranzband. Dieses gewährt typischerweise eine Abweichung von +/- 10% von der prognostizierten Menge. Hier kann eine echte Kostenfalle lauern. Wird der Grenzwert überschritten, wird die Differenz oft zu (ungünstigen) aktuellen Marktpreisen abgerechnet.

Außerdem können Sie sich zu einer Mindestabnahme (Take-or-Pay) verpflichten. Je präziser Sie die Menge benennen können, desto geringer ist das Risiko für den Versorger. Wenn sie dazu ein möglichst enges Toleranzband wählen (und einhalten) können, erzielen Sie in Summe einen sehr niedrigen Fixpreis.

Unternehmen mit einem gutem Energiemanagement und präzisen Lastprognosen haben hier einen klaren Vorteil.

4. Fixpreis vs. Spotmarkt: Worauf Sie beim Vergleich achten müssen

Ein Spotmarkt-Angebot kann auf den ersten Blick sehr verführerisch wirken. Doch ist bei einem direkten Vergleich Vorsicht geboten. Ein Fixpreis-Angebot von bspw. 140 €/MWh muss aus Ihrer individuellen Perspektive nicht zwingend schlechter sein als ein Spot-Durchschnitt von 130 €/MWh.

Achten Sie auf:

  • Vollversorgungs-Aufschläge: Ist im Fixpreisangebot bereits die komplette Profilierung enthalten oder entstehen zusätzliche Kosten?

  • Zahlungsziele: Spotmarktmodelle erfordern häufig kürzere Zahlungsziele und mehr Liquidität, da Strompreise monatlich oder sogar täglich abgerechnet werden. Fixpreisverträge bieten dagegen oft stabilere Zahlungsbedingungen und Planungssicherheit.

5. Fazit: Für welche Unternehmen lohnt sich ein Fixpreis-Vertrag?

Der Fixpreisvertrag für Strom ist kein Auslaufmodell, sondern ein strategisches Werkzeug der Energiebeschaffung. Er eignet sich ideal für Unternehmen mit:

  • Geringen Margen, die keine starken Energiepreisschwankungen verkraften können.

  • Einer unflexiblen Produktion, bei der die Lasten nicht in günstigere Stunden verschoben werden können.

  • Einem hohen Bedarf an Budget- und Planungssicherheit

Für andere Unternehmen kann hingegen eine strukturierte oder spotbasierte Strombeschaffung sinnvoller sein. Entscheidend ist also nicht die Frage "Fixpreis oder Spot", sondern die strategische Frage dahinter:

Wie viel Preisrisiko ist Ihr Unternehmen bereit zu tragen und wie viel Planungssicherheit möchten Sie behalten?