Das Tranchen-Modell – Die goldene Mitte der Strombeschaffung für KMU?

Stromeinkauf und Energiepreise Teil 4

Weg vom Glücksspiel hinzu einem echten Plan: Mit unserer fünfteiligen Serie zum Thema Energiepreise und Stromeinkauf für Unternehmen möchten wir Ihnen fundiertes Wissen an die Hand geben, damit Sie verstehen, wie Sie Ihren Strompreis optimieren können. In diesem 4 Teil wollen wir Ihnen das Tranchenmodell näher erklären - ein Mittelweg zwischen Fix-Preis und Spot Beschaffung.

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Heiko Teiken

In den letzten beiden Artikeln haben wir zwei Extreme der Energiebeschaffung beleuchtet:

Spot-Modell („Short“-Risiko):

Sie kaufen Strom kurzfristig ein. Fallen die Preise, profitieren Sie direkt. Steigen die Preise , wie aktuell z. B. durch eine geopolitische Krise, schlägt das sofort und ungebremst auf Ihre Kosten durch.

Fixpreis-Modell („Long“-Risiko):

Sie sichern Ihren gesamten Bedarf zu einem Zeitpunkt für mehrere Jahre. Steigen die Preise danach, haben Sie alles richtig gemacht. Fallen die Preise jedoch deutlich hängen Sie in Ihrem Vertrag fest und Ihre Konkurrenz zieht an Ihnen vorbei.

Ein Dilemma ohne Ausweg für mittelständische Unternehmen? Keinesfalls. Die zentrale Frage, die sich KMU stellen ist: Wie lässt sich das Preisrisiko reduzieren, ohne Chancen komplett aufzugeben?

Die Antwort: strukturierte Beschaffung über das Tranchen-Modell.

Was ist das Tranchen-Modell in der Strombeschaffung?

Statt diese Gesamtmenge für Ihren Strombedarf an einem einzigen Tag irgendwann im aktuellen Jahr zu kaufen (Fixpreis), zerlegen Sie den Bedarf in kleinere Teilmengen, die sogenannten Tranchen, und kaufen diese zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein.

Schauen wir uns das an einem Beispiel näher an. Stellen Sie sich vor, Sie benötigen für das kommende Jahr 12.000 MWh Strom. Sie könnten nun vereinbaren, viermal im Jahr jeweils 3.000 MWh (oder 25 % Ihres Bedarfs) einzukaufen:

Tranche 1: Januar (25%)

Tranche 2: April (25%)

Tranche 3: Juli (25%)

Tranche 4: Oktober (25%)

Im Ergebnis zahlen Sie am Ende des Jahres den Durchschnittspreis über die vier Einkaufszeitpunkte.

Warum ist das Tranchen-Modell für Unternehmen interessant?

Niemand kann den „perfekten“ Einkaufszeitpunkt zuverlässig vorhersagen, auch Energieexperten nicht. Durch das Tranchen-Modell eliminieren Sie das Risiko eines schlechten Timings. Selbst wenn Sie einmal einen schlechten Tag für Ihren Stromeinkauf erwischen, betrifft das eben nur eine Tranche und nicht Ihren gesamten Stromeinkauf.

Umgekehrt haben Sie natürlich nicht mehr die Chance, am genau besten Tag des Jahres Ihren gesamten Bedarf zu kaufen. Sie tauschen diese Glücksspiel-Komponente gegen eine bessere Vorhersagbarkeit.

Ist das Tranchen-Modell also günstiger als ein Fixpreis?

Die ehrliche Antwort ist, nicht immer ist das Tranchen-Modell günstiger als ein Fixpreis, aber es ist oft planbarer und birgt ein geringeres Fehlentscheidungsrisiko. Für viele KMU ist genau das entscheidend.

Das Tranchenmodell "glättet" den Preis und reduziert Ausschläge nach oben sowie nach unten. In den Tiefpreisphasen können Sie Glück haben und mit einem Fix Preis günstiger landen. In den Hochpreisphasen können Sie aber genauso gut teurer werden.

Das Hybrid-Modell: Tranchen + Spotmarkt kombinieren

Kaum ein Unternehmen verbraucht exakt die Menge, die es in Tranchen gekauft hat. Das schafft Raum für die perfekte Symbiose in Form eines Hybrid-Modell aus Sicherheit und Flexibilität.

Sie sichern beispielsweise 80 % Ihres prognostizierten Bedarfs über Terminmarkt-Tranchen ab (Sicherheit). Die restlichen 20 % – oder ungeplante Verbrauchsspitzen – werden automatisch über den Spotmarkt abgerechnet (Flexibilität). Verbrauchen Sie weniger als geplant, wird die überschüssige Tranche einfach am Spotmarkt gewinnbringend (oder verlustbringend) wieder verkauft. Das Ergebnis ist eine ausgewogene Balance zwischen Kontrolle und Marktchance.

Für wen eignet sich das Tranchen-Modell?

Das Modell ist besonders sinnvoll für Unternehmen, die

  • mindestens einen Jahresverbrauch zwischen etwa 2 bis 5 GWh (darunter sind die Bearbeitungsgebühren der Versorger für Tranchen oft zu hoch)

  • weder rein spekulativ (reiner Spot) noch maximal konservativ (reiner Fixpreis) einkaufen wollen

  • über Ressourcen verfügen, um den Markt zumindest quartalsweise zu beobachten oder Sie nutzen stromify, um Ihnen diese Arbeit abzunehmen

Wann sollten Sie sich lieber für ein Fix- oder Spotpreis-Modell entscheiden?

Wann ist ein Fixpreis sinnvoll?

Ein klassischer Fixpreis kann die bessere Wahl sein, wenn

  • Sie ein kleines Unternehmen sind

  • Absolute Budgetsicherheit oberste Priorität hat

  • Keine Zeit haben, sich mit Energiemärkten zu beschäftigen

Wann lohnt sich der Spotmarkt?

Ein Spotmodell passt vor allen dann, wenn:

  • Ihre Produktion hochflexibel ist

  • Sie Lasten aktiv steuern können

  • Sie Maschinen einfach abschalten können, wenn der Strompreis für ein paar Stunden durch die Decke geht

Wichtig zu verstehen: Der Spotmarkt ist hochvolatil. Preissprünge sind keine Ausnahme, sondern die Regel.

Wie volatil sind Strompreise wirklich?

Die Daten zeigen deutlich, selbst bei Fixpreisen ist der Einstiegszeitpunkt entscheidend und damit immer auch ein Stück weit Glück im Spiel.

spot_price_volatility

In den letzten zwei Jahren sehen wir bereits relevante Preissprünge, die vor allem auf Markt- und Wetterbedingungen zurück zu führen sind. Auf der längeren Skala sehen wir noch einmal deutlich stärkere Preissprünge im Zusammenhang mit geopolitischen Veränderungen. Mit Blick nach vorne müssen mindestens Schwankungen in der gleichen Größenordnungen in Betracht gezogen werden

future-prices-2027-overTime

Die Preise für die Jahresfutures 2027 (und damit Fixpreise, die Versorger anbieten können) sind ihrerseits ebenfalls stark von dem Zeitpunkt abhängig, zu dem ein Fixpreis angefragt wird.

Fazit: Gibt es die perfekte Beschaffungsstrategie?

Nein, aber es gibt bessere und schlechtere Entscheidungen. Das Tranchen-Modell ist für viele KMU der pragmatische Mittelweg zwischen Risiko und Kontrolle. Die richtige Strategie zur Energiebeschaffung ist jedoch individuell wie Ihr Unternehmen selbst.

Häufige Fragen von Unternehmen (FAQ)

Wie viele Tranchen sind sinnvoll? Typisch sind 3–6 Tranchen pro Jahr abhängig von der Marktphase und der Strategie.

Ab wann lohnt sich die strukturierte Beschaffung? Meist ab etwa 2 GWh Jahresverbrauch.

Brauche ich dafür internes Know-how? Nicht zwingend. Externe Partner wie Stromify können den Prozess für Sie übernehmen.

Ist das Modell komplex? Operativ ja, strategisch aber klar strukturiert und gut steuerbar.

Nächster Schritt: Ihre Beschaffungsstrategie prüfen

Viele Unternehmen zahlen unnötig zu viel für Energie und dass nicht wegen falscher Tarife, sondern wegen einer unpassenden Strategie. Wie empfehlen Ihnen daher, Ihre aktuelle Beschaffung professionell zu analysieren.

In einem kostenfreien Erstgespräch zeigen wir Ihnen:

  • wie Ihre aktuelle Strategie einzuordnen ist

  • welches Modell zu Ihrem Unternehmen passt

  • wo konkrete Einsparpotenziale liegen